Seminar: Die Bedeutung der Untreuefantasien in der Paarbeziehung

Unterlagen für das Blockseminar am 08.02.2020

A + F Klaus Ritter, Ort: Institut, Bibliothek, Blockveranstaltung, Samstag, 08.02.2020, 10:00 – 17:30 Uhr

Liebe Weiterbildungsteilnehmerin,
lieber Weiterbildungsteilnehmer,

hier erhalten Sie die Texte, die zur Vorbereitung des Seminars gedient haben. Zusätzlich ist ein Aufsatz zu Freud, Schnitzler und der Traumnovelle hinzugefügt worden.

Update 14.02.2020
Nach Durchführung des Seminars ist eine Rückmeldung zur Anwendung der Rollenspiele hier eingetroffen. Die darin geäußerte Kritik ist nachvollziehbar. Bei zukünftigen Blockseminaren wird die Methode Rollenspiel begrenzter und vorsichtiger eingesetzt.

Insbesondere wird die Aufgabenstellung besser erläutert. Im Rollenspiel sollen Pausen eingesetzt werden, damit die Rollenspieler Feedback zum Ablauf geben können. Außerdem soll nach Durchführung eines Rollenspiels zunächst das Erleben der Rollenspieler im Vordergrund stehen, dann kommen Rückmeldungen aus dem Plenum und erst danach soll eine Bewertung durch den Dozenten erfolgen.

Freundliche Grüße aus Kassel!
Katja Hoffmann
Klaus Ritter



Filmzitat
: „Die Ehe wird doch überhaupt erst dadurch reizvoll, dass sie beide Seiten zwingt, einander etwas vorzumachen!“

 


Zeitlicher Ablauf des Seminars

  • 10:00 bis 12:15 Uhr: Begrüßung, erster Filmausschnitt, Gruppenarbeit und Diskussion zu dem Text von Kernberg
  • 12:15 bis 13:45 Uhr: Mittagspause und Möglichkeit des gemeinsamen Mittagessens in einem Restaurant
  • 13:45 bis 16:45 Uhr: Drei weitere Filmausschnitte und Diskussion zu dem Text von Scheinkman
  • 16:45 bis 17:30 Uhr: Auswertung und Beendigung

 

Bill und Alice

In dieser Lehrveranstaltung geht es um den Film „Eyes Wide Shut“ von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1999. Der Spielfilm dient als Ausgangsbasis der Fragestellung, welche Bedeutung die Bilder der sexuellen Untreue für die unbewusste Entwicklung der Paardynamik haben.

Im Film taucht der New Yorker Arzt Bill nach einem Streit mit seiner Frau in die nächtliche Subkultur der Großstadt ein und erlebt dort eine opulente Odyssee der Verführung.

Anhand von Filmausschnitten und gruppendynamischen Übungen soll herausgearbeitet werden, wie die affektive Kraft der Untreue in die Beziehung eines Liebespaares integriert werden kann. Außerdem sollen grundlegende Gesichtspunkte einer psychoanalytischen Betrachtung von Spielfilmen vermittelt werden.


 

Hoffmann, Ritter

Dieses Seminar wird von der Mitarbeiterin im Praxisteam Psychologin Katja Hoffmann mit vorbereitet und durchgeführt.

Bei Fragen zur Blockveranstaltung können Sie sich gern per E-Mail mich wenden: info@ritter-gerstner.de

Klaus Ritter

 

 


1. Der Film „Eyes Wide Shut“

 

Filmposter

Zur Vorbereitung des Seminars ist es sinnvoll, sich den Spielfilm insgesamt anzusehen. Er kann bei  Amazon erworben werden. Dabei gibt es verschiedene Optionen (Blu-Ray, DVD und Streaming). Über Prime Video kostet der Film beispielsweise 5,98 €.


2. Überblick über den Film bei Wikipedia

Wikipedia liefert die wichtigsten Informationen zur Besetzung, zur Entstehungsgeschichte und zur Rezeption des Films. Der Beitrag kann hier auch als PDF heruntergeladen werden.
Eyes_Wide_Shut


3. Otto F. Kernberg: Aggression und Liebe in Zweierbeziehungen

Kernberg

Übersicht: Im Verhältnis zwischen Mann und Frau ist das Wechselspiel
von Liebe und Aggression konstitutiv für den Aufbau und die Konstanz
emotionaler Beziehungen. Der Autor zeigt, daß das Gefühlsleben von
Paaren nicht nur durch den Unterschied von männlicher und weiblicher
Entwicklung geprägt ist, sondern häufig auch durch das unbewußte Einverständnis
der Partner, frühere Objektbeziehungen, etwa zu elterlichen
Figuren, in der Gegenwart zu wiederholen. Ebenso kann der unbewußte
Wunsch, die Differenz zwischen den Geschlechtern dadurch aufzuheben,
daß Komplementarität und zwillingshafte Beziehungen hergestellt werden,
bei Paaren eine bedeutende Rolle spielen. Schließlich wird dargelegt,
daß bestimmte Formen der Aggression von ungelösten ödipalen Konflikten
herrühren, was sich z. B. darin ausdrücken kann, daß eine dritte Person
in die Paarbeziehung eingeführt wird.
Psyche: September 1992, 46. Jahrgang, Heft 9, pp 797-820, Download als PDF
ps-46-9-797-Kernberg


4. Michele Scheinkman: Über das Trauma der Untreue hinaus

 

Scheinkman

Übersicht: Die Autorin befasst sich mit der Frage, wie außerpartnerschaftliche
Affären konzeptuell und klinisch angegangen werden. Dabei
werden die moralischen Imperative der herrschenden Kultur kommentiert,
die die therapeutische Tätigkeit beeinflussen können. Besonderer
Bezug wird auf die Arbeiten von Laura Kipnis und Stephen Mitchell genommen.
Beide Autoren legen den Schwerpunkt des beruflichen Diskurses
über Affären nicht mehr ausschließlich auf die Folgen von Affären,
sondern in erster Linie auf die emotionalen Kräfte, die einen Menschen
überhaupt dazu veranlassen, eine Affäre zu haben. Kipnis und
Mitchell analysieren die vorherrschenden Vorstellungen über die Institution
der Ehe und stellen dabei den Primat des Begehrens und der romantischen
Liebe in unserem Leben heraus. Ausgehend von den unseren
Liebeserfahrungen inhärenten Widersprüchen ermutigen sie uns, in die
irrationalen Dimensionen der Liebe einzutauchen und mehr Komplexität
und Mehrdeutigkeit zuzulassen. Diese Prämissen eröffnen die Möglichkeit,
den in eine Affäre verstrickten Personen eine selbstbestimmte
Entscheidung zu ermöglichen, was die Frage der Geheimhaltung bzw.
der Aufdeckung der Wahrheit angeht.
Familiendynamik 32, 2007, 301–329, Download als PDF
fd-32-4-301-Familiendynamik


5.  Impressionen zum Film von Paul Duncan

 

Der Tanz

Die bemerkenswerten Bilder des Films und sein langsames Tempo erinnern an
die Arbeit Michelangelo Antonionis mit seinen sorgfältig in Landschaften komponierten
Figuren, gleitenden Kamerafahrten und psychisch leidenden Liebenden.
Auch Kubrick nutzt Primärfarben mit symbolischer Bedeutung.
Auszug aus: Kinematograph, 19/2004, Frankfurt/Main 2004, Download als PDF
Duncan-Kubrick-180-184

 


6. Freud, Schnitzler und Eyes Wide Shut

Aufsatz von Peter Loewenberg: ps-58-12-1156-Loewenberg

„Übersicht: Der Autor wirft zunächst seinen Blick auf die Beziehung zwischen
Freud und Schnitzler, die bei aller Nähe thematischer Einsichten –
bei Freud verbunden mit hoher intellektueller Vertrautheit und Idealisierung
Schnitzlers zu seinem Doppelgänger – doch durch eine realeDistanz
kennzeichnetwar – und bei Schnitzler auch Vorbehalte gegen die Psychoanalyse
einschloß. Die Untersuchung geht im weiteren den Veränderungen
nach, die SchnitzlersTraumnovelle in Kubricks Adaptation EyesWide
Shut erfährt.“