Fragen zur Begutachtung bei Adipositas

FAQ: Adipositas und Operation

Informationen zur  Begutachtung bei Adipositas bei geplanter bariatrischer Operation.
Anmeldung, Erstgespräch, psychotherapeutische Begutachtung, Kosten, Indikation, Kontraindikationen und psychologische  Nachsorge.

Anmeldung und Begutachtung

In unserer Praxis gibt es folgenden Ablauf für Adipositas-Patienten: Sie melden sich als Patient zum Erstgespräch in der Adipositas-Sprechstunde an. Dies kann telefonisch über unser Sekretarita erfolgen oder über die Online-Buchung. Unsere Adipositassprechstunde ist regelmäßig dienstags in der Zeit von 9:00 bis 12:00 Uhr.

Im Erstgespräch wird Ihr aktuelles Anliegen aufgenommen und die vorgesehene gutachterliche Stellungnahme für die Krankenkasse/Medizinischen Dienst der Krankenkassen wird besprochen. Bitte bringen Sie für das Erstgespräch genügend Zeit mit, wir versuchen die testpsychologische Untersuchung und die biografische Anamnese im Rahmen des Erstgesprächs durchzuführen und benötigen dazu mindestens 2 Stunden. Bitte bringen Sie für das Erstgespräch außerdem bereits vorhandene medizinische Befundberichte und Ergebnisse der Ernährungsberatung mit.
Für die Vorbereitung des Gutachtens sind 2-3 Sitzungen erforderlich. Dabei wird die aktuelle Situation des Übergewichts aufgenommen, die Vorgeschichte (biografische Anamnese) und es werden testpsychologische Verfahren durchgeführt. Die Begutachtung kann daher nicht in einer Sitzung durchgeführt werden, sondern es sind in der Regel zwei diagnostische Sitzungen erforderlich und ein Auswertungsgespräch.
Befundauswertung: Am Schluss erfolgt eine gemeinsame Auswertung mit der Fragestellung, ob die vorgesehene Operation aus psychotherapeutischer Sicht befürwortet werden kann, oder ob es Einschränkungen, Auflagen oder Einwände gibt.

Voraussetzungen für die Operation

Die Krankenkassen bzw. der Medizinischer Dienst der Krankenkassen erwarten, dass Sie als Adipositas-Patient an eine Adipositaszentrum angebunden sind. Unsere Praxis arbeitet mit verschiedenen medizinischen Einrichtungen zusammen. Eine medizinische Untersuchung muss durchgeführt werden, eine Ernährungsberatung absolviert werden und danach kann bei Vorliegen einer medizinischen Indikation ein Antrag auf Kostenübernahme für eine bariatrische Operation gestellt werden. Neben den medizinischen Unterlagen muss eine psychologische Begutachtung erfolgen und die psychotherapeutische Stellungnahme muss dem Antrag beigefügt werden.
Die psychologische Begutachtung prüft, ob aus psychotherapeutische Sicht Gründe vorliegen, die eine Operation entgegenstehen. Diese können im Verhalten oder in der seelischen Struktur des Patienten begründet sein. Falls solche Kontraindikationen festgestellt werden, dann wird mit Ihnen als Patient besprochen, ob fachliche Hilfen in absehbarer Zeit die Ausschlussgründe beheben können oder ob eine Befürwortung grundsätzlich versagt wird.

Kontraindikationen für eine chirurgische Behandlung

Jeder Einzelfall ist unterschiedlich und bei einem krankhaften Übergewicht müssen Aspekte bei Ihnen im Rahmen der psychotherapeutischen Diagnostik geprüft werden. Diese Gesichtspunkte kann eine Einschränkung oder Versagung der Befürwortung bedeuten.
Ist das Übergewicht Folge einer Essstörung? Liegt eine behandlungsbedürftige Essstörung vor, zum Beispiel ein Binge Eating? Muss die Essstörung zunächst ambulant oder stationär behandelt werden, bevor eine Operation stattfinden kann?
Ist das Übergewicht Folge eines Traumas oder einer seelischen Erkrankung? Legen Traumata oder Merkmale einer psychischen Störung vor, so müssen diese häufig vorrangig behandelt werden, um die Mechanismen der Entstehung des Übergewichts aus seelischer Sicht verändern zu können.
Ist die gesamte Struktur des Verhaltens unkontrolliert und gegenüber fachlichen Hilfsangeboten unkooperativ? Liegt eine Impulskontrollstörung vor?
Liegt eine psychotische seelische Störung mit gestörter Realitätswahrnehmung vor, zum Beispiel Schizophrenie oder schizoaffektive Störung?
Besteht eine Suchterkrankung: Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen? Muss diese Suchterkrankung zunächst vorrangig behandelt werden, um eine ausreichende Integration der Affekte und des Verhaltens beim Patienten zu erlangen.
Liegt eine Intelligenzminderung vor und wie stark ist sie? Kann der Sinn der Operation verstanden werden? Kann ein Mindestmaß an ärztlichen oder psychotherapeutischen Ratschlägen umgesetzt werden?
Folgt der Wunsch nach einer bariatrischen Operation zur Gewichtsreduktion dem eigenen Willen oder liegt eine Manipulation oder Beeinflussung durch Dritte vor? Besteht ein autoaggressives Verhalten oder eine starke emotionale Abhängigkeit gegenüber Bezugspersonen?
Sind durch eine Gewichtsreduktion unerwünschte Folgen im psychischen Bereich zu erwarten? Liegen behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen vor, die Vorrang vor einer bariatrischen Operation haben? Liegen schwere Persönlichkeitsstörungen (Borderlinestörung, narzisstische Persönlichkeitsstörung) vor oder neurotische Störungen wie Angst oder Depression?
Die aufgeführten Diagnosen führen nicht automatisch zu einer Ablehnung der geplanten Operation, sie müssen aber sorgfältig abgeklärt werden. Eine Operation kann aus psychotherapeutischer Sicht auch mit bestimmten Auflagen (beispielsweise Durchführung einer psychologischen Beratung oder Psychotherapie) befürwortet werden. Die Umsetzung von Auflagen kann im Rahmen der Nachsorge unterstützt werden.

Kosten und Kostenübernahme


Die Kosten für das ausführliche schriftliche Gutachten, das in der Regel einen Umfang von 4-7 Seiten hat, müssen von Kassenpatienten in jedem Fall privat getragen werden. Es handelt sich nicht um eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Es handelt sich in jedem Fall um eine private psychotherapeutische Leistung, die nicht über die Gesundheitskarte abbrechen ist. Die Beratung, die Untersuchung und die Durchführung der testpsychologischen Verfahren können aber über die Gesundheitskarte abgerechnet werden, sie sind Bestandteil der psychotherapeutischen Leistungen für gesetzlich Versicherte.
Die Kosten für das schriftliche Gutachten betragen für einen Kassenpatienten
200 € (inklusive Umsatzsteuer). Die Gebühr ist spätestens bei Abholung des Gutachtens in bar im Sekretariat der Praxis zu zahlen, eine nachträgliche Zahlung oder eine Ratenzahlung ist nicht möglich. Im Einzelfall kann nach erfolgter Kostenübernahme durch die Krankenkasse auch eine Erstattung oder Teilerstattung des Gutachtens durch die jeweilige Krankenkasse erfolgen. Dies ist jedoch eine Angelegenheit zwischen dem Versicherten und seiner Krankenkasse, ein Rechtsanspruch für den Patienten besteht nicht.
Privatpatienten erhalten eine gesonderte Information über die voraussichtlich anfallenden Kosten. Bei Privatpatienten kommt die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)zur Anwendung. Für die Beratung, Diagnostik und die Erstellung des schriftlichen Gutachtens können Kosten in Höhe von bis zu 500 € bei Privatpatienten entstehen.
Bitte beachten Sie, dass es sich nicht um ein einfaches Attest handelt, sondern um eine ausführliche schriftliche Auseinandersetzung mit der Anamnese und dem Krankheitsfall des Patienten. Es wird jeweils eine individuelle Begründung und Abwägung für die geplante Operation ausgearbeitet.
Grundsätzlich besteht nach der Operation die Notwendigkeit einer lebenslangen Nachsorge. Im psychotherapeutischen Bereich ist es sinnvoll, dass Sie als Patient für den Zeitraum von zwei Jahren nach der Begutachtung alle sechs Monat ein Kontrollgespräch vereinbaren. Diese Nachsorge ist verindlich für alle Adipositas-Patienten. Das Sekretariat der Praxis sendet Ihnen jeweils eine Erinnerung zur Terminvereinbarung. Sie benötigen dazu Ihre Gesundheitskarte, über die die Leistungen abgerechnet werden. Die Nachsorge im psychotherapeutischen Bereich dient der Abklärung, ob zusätzliche psychologische oder psychotherapeutische Maßnahmen den Behandlungserfolg absichern können. Weiterhin wird geprüft, ob die Veränderungen im erleben, in der Wahrnehmung und im Körperbild zu psychischen Problemen geführt haben. Die Nachsorgetermine dienen auch dazu, den Behandlungserfolg langfristig abzusichern und bereits im Vorfeld Stressfaktoren oder psychische Auffälligkeiten erkennen zu können.