Fragen zur Begutachtung bei Adipositas

FAQ: Adipositas und Operation

Informationen zur  Begutachtung bei Adipositas bei geplanter bariatrischer Operation.
Anmeldung, Erstgespräch, psychotherapeutische Begutachtung, Kosten, Indikation, Kontraindikationen und psychologische  Nachsorge.

In unserer Praxis gibt es folgenden Ablauf für Adipositas-Patienten: Sie melden sich als Patient zum Erstgespräch in der Adipositas-Sprechstunde an. Dies kann telefonisch über unser Sekretarita erfolgen oder über die Online-Buchung.
Im Erstgespräch wird Ihr aktuelles Anliegen aufgenommen und die notwendige gutachterliche Stellungnahme für die Krankenkasse/Medizinischen Dienst der Krankenkassen wird besprochen. Für die Stellungnahme sind 2-3 Sitzungen erforderlich. Dabei wird die aktuelle Situation des Übergewichts aufgenommen, die Vorgeschichte und es werden testpsychologische Verfahren durchgeführt.
Am Schluss erfolgt eine gemeinsame Auswertung mit der Fragestellung, ob die vorgesehene Operation aus psychotherapeutischer Sicht befürwortet werden kann, oder ob es Einschränkungen, Auflagen oder Einwände gibt.

Wichtige Änderung: Die Zusammenarbeit mit dem Adipositaszentrum Nordhessen endet zum 31.12.2017


Bis dahin werden noch Patienten dieses Adipositaszentrums begutachtet und betreut. Ab dem 1.1.2018 werden keine Patienten des Adipositaszentrums Nordhessen mehr aufgenommen. Die Nachsorge bei bereits angemeldeten Patienten erfolgt weiterhin.
Dipl.-Psych. Ritter arbeitet seit Jahren mit dem Adipositaszentrum Nordhessen des Marienkrankenhauses Kassel zusammen. Die Ergebnisse der psychotherapeutischen Begutachtung zur Beantragung der bariatrischen Operation können auf Wunsch des Patienten direkt an das Team des Adipositas-Zentrums übermittelt werden und dort auch besprochen werden.
Außerdem ist die Nachsorge nach der Operation im psychologischen Bereich ebenfalls sichergestellt. Die Abrechnung erfolgt ebenso wie das Erstgespräch über die Gesundheitskarte des Patienten. Eine ärztliche Überweisung ist nicht erforderlich!
Die Krankenkassen bzw. der Medizinischer Dienst der Krankenkassen erwarten, dass Sie als Adipositas-Patient das multimodale Kursprogramm des Adipositaszentrums Nordhessen absolviert haben. Über das Kurzprogramm und die jeweiligen Infoabende zur Einführung informiert die Homepage des Adipositaszentrums. In der Regel muss über mehrere Monate ein Kurzprogramm absolviert werden und danach kann ein Antrag auf Kostenübernahme für eine bariatrische Operation gestellt werden. Neben den medizinischen Unterlagen muss eine psychologische Begutachtung erfolgen und die psychotherapeutische Stellungnahme muss dem Antrag beigefügt werden. Die psychologische Begutachtung prüft, ob aus psychotherapeutische Sicht Gründe vorliegen, die eine Operation entgegenstehen. Diese können im Verhalten oder in der seelischen Struktur des Patienten begründet sein. Falls solche Kontraindikationen festgestellt werden, dann wird mit Ihnen als Patient besprochen, ob fachliche Hilfen in absehbarer Zeit die Ausschlussgründe beheben können oder ob eine Befürwortung grundsätzlich versagt wird.
Jeder Einzelfall ist unterschiedlich und bei einem krankhaften Übergewicht müssen folgende Aspekte bei Ihnen als Patient überprüft werden: Ist das Übergewicht Folge einer Essstörung? Ist das Übergewicht Folge eines Traumas oder einer seelischen Erkrankung? Ist die gesamte Struktur des Verhaltens unkontrolliert und gegenüber fachlichen Hilfsangeboten unkooperativ? Besteht eine Suchterkrankung: Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen? Liegt eine Intelligenzminderung vor und wie stark ist sie? Kann der Sinn der Operation verstanden werden? Folgt der Wunsch nach einer bariatrischen Operation zur Gewichtsreduktion dem eigenen Willen oder liegt eine Manipulation oder Beeinflussung durch Dritte vor? Sind durch eine Gewichtsreduktion unerwünschte Folgen im psychischen Bereich zu erwarten? Liegen behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen vor, die Vorrang vor einer bariatrischen Operation haben? Diese Aspekte führen nicht automatisch zu einer Ablehnung der geplanten Operation, sie müssen aber sorgfältig abgeklärt werden. Eine Operation kann aus psychotherapeutischer Sicht auch mit bestimmten Auflagen (beispielsweise Durchführung einer psychologischen Beratung oder Psychotherapie) befürwortet werden.
Die Kosten für das ausführliche schriftliche Gutachten, das in der Regel einen Umfang von 4-7 Seiten hat, müssen von Kassenpatienten in jedem Fall privat getragen werden. Es handelt sich nicht um eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kosten betragen für einen Kassenpatienten derzeit 200 € für das schriftliche Gutachten. Die Gebühr ist spätestens bei Übergabe des Gutachtens zu zahlen, eine nachträgliche Zahlung oder eine Ratenzahlung ist nicht möglich. Privatpatienten erhalten eine gesonderte Information über die voraussichtlich anfallenden Kosten. Bei Privatpatienten kommt die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)zur Anwendung. Bitte beachten Sie, dass es sich nicht um ein einfaches Attest handelt, sondern um eine ausführliche schriftliche Auseinandersetzung mit der Anamnese und dem Krankheitsfall des Patienten. Es wird jeweils eine individuelle Begründung und Abwägung für die geplante Operation ausgearbeitet. Kassenpatienten können nachträglich versuchen, die Kosten für das Gutachten von der Kasse erstattet zu bekommen. Ein Rechtsanspruch dafür besteht aber nicht.
Grundsätzlich besteht nach der Operation die Notwendigkeit einer lebenslangen Nachsorge. Im psychotherapeutischen Bereich ist es sinnvoll, dass Sie als Patient für den Zeitraum von zwei Jahren nach der Begutachtung alle sechs Monat ein Kontrollgespräch vereinbaren. Diese Nachsorge ist verindlich für alle Adipositas-Patienten. Das Sekretariat der Praxis sendet Ihnen jeweils eine Erinnerung zur Terminvereinbarung. Sie benötigen dazu Ihre Gesundheitskarte, über die die Leistungen abgerechnet werden. Die Nachsorge im psychotherapeutischen Bereich dient der Abklärung, ob zusätzliche psychologische oder psychotherapeutische Maßnahmen den Behandlungserfolg absichern können. Weiterhin wird geprüft, ob die Veränderungen im erleben, in der Wahrnehmung und im Körperbild zu psychischen Problemen geführt haben. Die Nachsorgetermine dienen auch dazu, den Behandlungserfolg langfristig abzusichern und bereits im Vorfeld Stressfaktoren oder psychische Auffälligkeiten erkennen zu können.