Privatgutachten im Familienrecht

Privatgutachten in Kindschaftssachen

 

Was sind Privatgutachten?

Privatgutachten Praxis Ritter und Gerstner
Privatgutachten

Psychologische Gutachten können durch eine private Person (Elternteile oder andere Bezugspersonen) oder durch Institutionen (beispielsweise Jugendamt) bei Dipl.-Psych. Ritter in Auftrag gegeben werden. Privatgutachten (auch Parteigutachten genannt) sind im Vorgehen und in der Fragestellung von Gerichtsgutachten zu unterscheiden, die direkt vom Familiengericht in Auftrag gegeben werden.

Diese Gutachten dienen meistens dazu, die Position einer Partei im familiengerichtlichen Verfahren zu untermauern oder das bereits vorliegende Sachverständigengutachten mit einer zusätzlichen Expertise methodenkritisch zu hinterfragen.

Der Sachverständige wird als Privatgutachter in Absprache und im Auftrag des Auftraggebers tätig, die Kosten für das Privatgutachten müssen privat getragen werden. Es wird jeweils ein Kostenvoranschlag erstellt. Hinweise zum Kostenrahmen finden Sie hier.

Diese Gutachten können beispielsweise für eine Konfliktlösung bei Fragen zur Ausgestaltung des Aufenthaltsbestimmungsrechts oder des Umgangs eingesetzt werden. Die Gutachten können auch in einem laufenden familiengerichtlichen Verfahren eingesetzt werden.


Für welche Fragestellungen eignet sich ein Privatgutachten?

Ein Gutachten kann zu jeder Fragestellung der Familienrechtspsychologie ausgearbeitet werden. Typische Fragestellungen sind die Ausgestaltung des Umgangsrechts für das Kind nach Trennung und Scheidung, Wünsche nach Abänderung des Umgangs oder die Überprüfung der Erziehungsfähigkeit.

Die Begutachtung ist beispielsweise sinnvoll, falls der gerichtlich bestellte Sachverständige zu der Einschätzung kommt, dass schwerwiegende Einschränkung der Erziehungsfähigkeit oder sogar eine Erziehungsunfähigkeit bei einem Elternteil vorliegt. Dieser Elternteil kann die Stimmigkeit des Gutachtens überprüfen lassen und psychodiagnostische kann seine Erziehungsfähigkeit durch den Sachverständigen Ritter überprüft werden. Diese Einschätzungen müssen vom Familiengericht bei der Beweiswürdigung mit berücksichtigt werden.

Weitere Fragestellungen und Beispiele zur Begutachtung finden Sie hier.


Muss das Familiengericht ein Privatgutachten berücksichtigen?

Das Familiengericht muss sich mit den Erkenntnissen des Gutachtens und der methodenkritischen Überprüfung auseinandersetzen und gegebenenfalls den gerichtlich beauftragten Sachverständigen um eine Stellungnahme bitten. Siehe dazu: Katrin Lack | Anke Hammesfahr in: Lack/Hammesfahr, Psychologische Gutachten im Familienrecht, 1. Aufl. 2019, X. Verwertung des Gutachtens, Rn 178.

Zu der Berücksichtigung eines Privatgutachtens hat sich auch das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem Beschluss vom 10.06.2015 (Az. 11 Wx 33/15) geäußert:

Es entspricht der std. Rspr. des BGH (vgl. etwa Beschluss v. 21.3.2013 – V ZR 204/12
–, juris Rz. 6, m. w. N.), dass in der Sachverständigenbeweisaufnahme allen Unklarheiten, Zweifeln oder Widersprüchen von Amts wegen nachzugehen ist; insbesondere sind Einwendungen eines Beteiligten gegen das Gutachten eines gerichtlichen Sachverständigen zu berücksichtigen. Das Gericht ist insoweit verpflichtet, sich mit einem Privatgutachten auseinander zu setzen und auf die weitere Aufklärung des Sachverhalts hinzuwirken, wenn sich ein Widerspruch zum Gerichtsgutachten ergibt.
(FamRZ 2016, 264, 266)

 


Wie wird eine private Begutachtung durchgeführt?

Für das Privatgutachten erfolgt eine eigene Befunderhebung, dazu sind Befragung in der Praxis des Sachverständigen in Kassel und bei Bedarf auch Hausbesuche erforderlich. Bei dem Betroffenen Elternteil wird eine Befragung durchgeführt, es erfolgt eine testpsychologische Untersuchung und die biografische Anamnese wird erhoben. Bei Fragestellungen zur Erziehungsfähigkeit wird auch die Wohnsituation und das psychosoziale Umfeld betrachtet.

Eine Einwilligung zur Exploration ist erforderlich, daher kann ein Kind nur mit Zustimmung der sorgeberechtigten Elternteile diagnostiziert werden.

Ein Gutachten oder eine methodenkritische Stellungnahme kann in einer laufenden Kindschaftssache dem Familiengericht oder dem Oberlandesgericht vorgelegt werden, es kann entsprechend gewürdigt werden.


Wie wird das Privatgutachten in Auftrag gegeben?

Bei Interesse an einem Privatgutachten wenden Sie sich bitte an unser Sekretariat. Sie können auch vorab wichtige Unterlagen zu Ihrer Kindschaftssache einreichen. Sie werden über den voraussichtlichen Kostenrahmen und die aktuelle Bearbeitungsdauer informiert.

Sie kann auch zunächst eine Erstberatung in Anspruch nehmen, damit ihre Fragestellung vorab überprüft werden kann und Empfehlungen für ein laufendes Verfahren gegeben werden können.


Methodenkritische Überprüfung eines vorliegenden Gutachtens

Es besteht die Möglichkeit, ein vorliegendes gerichtlich angeordnetes Gutachten auf den wissenschaftlichen Gehalt und die Aussagekraft hin überprüfen zu lassen. Diese Überprüfung kann nach Aktenlage erfolgen, eine gesonderte Befunderhebung ist nicht notwendig. Dem Auftraggeber wird eine schriftliche Stellungnahme zum vorliegenden Gutachten ausgearbeitet, die Kosten müssen vom Auftraggeber getragen werden.
>>> Weitere Informationen und Hinweise zum Kostenrahmen 

Die Überprüfung eines familienpsychologischen Gutachtens ist sinnvoll, falls ein Elternteil Zweifel an der Stichhaltigkeit der Ergebnisse oder dem methodischen Vorgehen des Sachverständigen hat.


Beauftragung

Bei Interesse an Privatgutachten im Familienrecht wenden Sie sich bitte an unser Sekretariat.
Sie erhalten Informationen über die voraussichtlich anfallenden Kosten und die derzeitige Bearbeitungsdauer.

Für die methodenkritische Überprüfung eines bereits vorliegenden Sachverständigengutachtens gibt es pauschale Kostenpauschalen, die sich nach dem Umfang des schriftlichen Gutachtens unterscheiden. Für alle anderen Bereiche der Privatbegutachtung wird jeweils ein individueller Kostenvoranschlag erstellt.

Es ist häufig sinnvoll, dass sich der beauftragte Anwalt im Familienrecht meldet, um bereits spezifische Fragestellungen für das Privatgutachten abzusprechen.


 

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