Vortrag: Adipositas und Depression

Der Zusammenhang von Adipositas und Depression

Vortrag im Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie Fritzlar

Referenten: Laura Dietel und Klaus Ritter

 

Prävalenz von Adipositas und psychischen Störungen

Adipositas und Depressionen sind zwei Erkrankungen, die häufig in der Gesellschaft auftreten. So sind in Deutschland etwa 23% der Männer und 24% der Frauen adipös (Robert-Koch-Institut, 2014), haben also einen Body Mass Index (BMI) von mindestens 30.

Depressionen sind mit etwa 10% Betroffener in Deutschland (Jacobi, 2016) zwar seltener, jedoch treten sie bei Adipositas Patienten häufiger auf, als unter Normalgewichtigen. Daher sollten beide Erkrankungen auch im Zusammenspiel betrachtet werden.


 

Definition der Depression

Depression und Adipositas
Depression

Depressionen werden laut dem in Deutschland verwendeten Klassifikationssystem für Erkrankungen (ICD-10) in leichter, mittlerer und schwerer Form unterscheiden. Entscheidend ist dabei die Anzahl der aufgetretenen Symptome, sowie die Schwere der Beeinträchtigung. Um eine Depression zu diagnostizieren, müssen die Symptome mindestens 2 Wochen am Stück vorliegen.

Es gibt bei der Depression drei zentrale Hauptsymptome: 1.) eine depressive, gedrückte Stimmung, 2.) verminderte Aktivität und 3.) Energielosigkeit und Ermüdbarkeit. Als weitere Symptome können verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit, negative Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken oder Selbstverletzung, Schlafstörungen und verminderter Appetit auftreten.


 

Zusammenhang von Adipositas und Depression

BMI - Adipositas
BMI – Adipositas

Ein Zusammenhang zwischen Adipositas und Depression konnte in vielen Studien gezeigt werden. So haben Adipositas Patienten haben ein um 55% erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Umgekehrt haben depressive Patienten ein um 58% erhöhtes Risiko für Übergewicht. Es gibt eine Vielzahl an Erklärungen für den Zusammenhang.

Zum einen können psychosoziale Wirkmechanismen dafür verantwortlich sein. So bewegen sich Adipöse häufig weniger, weil sie körperlich beeinträchtigt sind, oder sich sozial zurückziehen und schämen. Eingeschränkte körperliche Aktivität begünstigt wiederum Depressionen. Eine andere Erklärung für den Zusammenhang besteht darin, dass Adipöse von der Gesellschaft stigmatisiert, also mit Vorurteilen belegt oder auch aktiv ausgegrenzt werden. Dies kann zu einer Destabilisierung des Selbstwertgefühls führen, was ein Symptom der Depression ist und diese verstärken kann.

Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass die Ernährung einen Einfluss auf die Psyche hat. Ungesundes Ernährung, bestehend aus viel Cholesterin, gesättigten Fettsäuren und vielen Kohlenhydraten, erhöht das Depressionsrisiko um 40%. Auch vielfältige biologische Mechanismen konnten entdeckt werden. So können sowohl Hormone (z.B. Cortisol), als auch Veränderungen im Gehirn stattfinden, die Adipositas und Depressionen begünstigen. Wichtig zu wissen ist ebenfalls, dass Depressionen den Erfolg bei der Gewichtsabnahme einschränken und daher eine begleitende Psychotherapie notwendig ist.


 

Psychotherapie bei Adipositas

Eine Psychotherapie bei Adipositas ist nicht nur beim gleichzeitigen Vorliegen einer psychischen Erkrankung, wie z.B. eine Depression, sinnvoll. Sie kann auch so hilfreich sein, um die unbewusste Funktion des bisherigen Essverhaltens aufzudecken und Zugang zu den eigenen Gefühlen, sowie dysfunktional unbewussten Bildern von sich selbst zu erhalten.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für drei Psychotherapieverfahren. Dies sind zum einen die Psychoanalyse und die tiefenpsychologische Therapie, bei denen der Fokus auf einer nachhaltigen Veränderung von ungünstigen Erlebensmustern, sowie dem Bearbeiten von inneren Konflikten oder beeinträchtigenden frühkindlichen Erfahrungen liegt.

Ein weiteres Therapieverfahren ist die Verhaltenstherapie, die auf eine Verhaltensänderung fokussiert. Neben diesen Einzeltherapieverfahren besteht die Möglichkeit, an einer Gruppentherapie oder einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Auch nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme können psychische Probleme (wieder) auftreten. Daher ist eine regelmäßige Nachsorge durch einen Psychotherapeuten sinnvoll. Diese wird ebenfalls von der Krankenkasse bezahlt.


Zu den Autoren

 

Klaus Ritter und Laura Dietel
Klaus Ritter, Laura Dietel

Laura Dietel ist Psychologin und hat an der Universität Kassel im Bachelorstudiengang ihr Studium abgeschlossen. Derzeit studiert sie im Masterstudiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Kassel. Sie ist als psychologische Mitarbeiterin in der psychotherapeutischen Praxis Ritter und Gerstner in Kassel tätig.

Klaus Ritter ist Diplom-Psychologe, Psychoanalytiker und Psychotherapeut. Er ist in freier Praxis in Kassel niedergelassen.

Die Praxis kooperiert mit dem Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar.


Download

Die vorliegende Präsentation wurde im psychologischen Modul im Kompetenzzentrum in Fritzlar am 31.01.2019 den Patienten vorgestellt.

Download der vollständigen Präsentation als PDF: Adipositas und Depression

 

image_pdfPDF erstellenimage_printDrucken